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Archiv für den Monat Januar 2015

Durch die Todra-Schlucht

Heute gehen wir die gestern nicht erreichte Todra-Schlucht von der bequemen Südseite an.

Von „Boumalne“ fahren wir über die gut ausgebaute N 10 Richtung Osten.
Die Gegend ist weitläufig und flach, nach der spektakulären Landschaft von gestern, wirkt diese eher langweilig.
Als wir ungefähr auf halber Strecke eine kurze Pause einlegen, kommt ein ganzes Rudel Radfahrer die Straße lang, ein ganz ungewöhnlicher Anblick, – das können eigentlich nur „Europäer“ sein. Als sie uns sehen, kommen sie rüber zu uns auf einen Plausch. Elf Radler aus Island auf Marokko-Rundfahrt, – ein interessantes Völkchen, wir unterhalten uns mehr als eine halbe Stunde, dann trennen sich unsere Wege wieder.

Bald danach erreichen wir „Tinerhir“, die neue „Provinzhauptstadt“, und Startpunkt für die Todra-Schlucht.
Noch weit draussen vor der Stadt beginnt ein gigantisches Neubaugebiet, die überbreite Ausfallstraße mit drei Kreisverkehren ist fast fertig, rechts und links davon entstehen Seitenstraßen mit Gehsteigen, Kanalisation und Stromleitungen, fast zwei Kilometer lang, auf beiden Seiten, zum Teil sind Neubauten bereits begonnen, es wird viele lange Jahre dauern, bis das alles bebaut ist, sieht gigantisch und überdimensioniert aus. Aber wir erinnern uns, daß es in Zagora vor vielen Jahren genau so angefangen hat, heute sind dort die Neubaugebiete tatsächlich voll mit neuen Wohnhäusern, Geschäften und Promenaden, ein unglaublicher Schritt nach vorne, – so wird es hier wohl auch kommen, das neue Baugebiet wird die Dimension der Stadt wohl fast verdoppeln.
Die Stadt selbst ist auffallend sauber und aufgeräumt, schöne Läden und Geschäfte sind zu sehen, auffallend viele Cafes und Restaurants gibt es, alle haben ihre Bestuhlung entlang der Durchfahrtstraße in der Sonne aufgereiht, – sehr einladend.

Wir biegen vor der Brücke links ab, auf die R 703 und fahren über eine wunderbar neue und relativ breite Straße talaufwärts, durch kleinere Dörfer, auf eine Anhöhe hinauf.
Von dort ist die Aussicht zurück auf „Tinerhir“ und den riesigen Palmenhain phantastisch, auch der Blick nach vorne in das Tal des Todra-Flußes lohnt sich, auch dort zieht sich der Palmenwald das Tal hinauf, drüben am Felshang immer wieder alte Kasbahs und die neuen, relativ großen Häuser der Dorfbewohner.

Der Frühling scheint da zu sein. Seit zwei Tagen ist es warm geworden, hauptsächlich die Nächte sind jetzt wesentlich angenehmer.
Hier in den palmenbestandenen Tälern stehen die Bäume in voller Blüte, und nicht nur die Mandelbäume, alles scheint auszutreiben, die Bienen sind unterwegs, wunderbar, den Blick über das grüne Tal hinüber zur Kasbah schweifen zu lassen.

Dann wird das Tal immer enger, bis hin zum Nadelöhr der Schlucht, einem nur 10 Meter breiten Durchlaß, durch den sich der Fluß und die Straße zwängen, eingerahmt von senkrecht aufragenden, bis zu 300 Meter hohen Felswänden. Etwa 200 Meter vorher haben sich mehrere Lokale angesiedelt, wie Schwalbennester kleben sie vor der Felswand, sie sind nur durch den Fluß zu erreichen, hier legen die meisten Touristenbusse gerne einen Halt ein, – im Sommer sicher eine herrlich kühle Oase, kaum ein Sonnenstrahl dringt hier ein und der Gebirgsfluß bringt stets Kühle mit sich.

Wir fahren weiter, wollen noch nach „Tamtattouchte“, bis zu der Stelle, an der wir eigentlich gestern nach der Paßüberquerung angekommen wären.
Die Schlucht ist hier weniger spektakulär, aber schön anzusehen, die Straße ist seit dem Nadelöhr schmal geworden und in keinem sehr guten Zustand, sie läuft immer brav neben dem Fluß her, mehr Platz ist nicht, öfters kreuzt sie den Fluß, dann wird es holprig, der Fluß überflutet sie bei Regen regelmäßig und knabbert immer wieder Stücke von ihr ab.
An einer der Felswände sind Kletterer zu Gange, – hie und da kommt uns ein Kleinbus entgegen, – vollbeladen natürlich, weiter oben sehen wir drei Bäuerinnen mit ihren Eseln, – diese natürlich auch vollbeladen.

„Tamtattouchte“ ist ein kleines Bergdorf auf etwa 1.900 m ü. NN. mit einer sehr engen Durchfahrtstraße, – unten im Tal werden die Gärten bestellt, – seitlich an den Hängen stehen die Häuser, – wenn es hier etwas im Überfluß gibt, dann sind das Steine, alles sieht ziemlich kahl aus, die Felsen, die Häuser, die Mauern, – ein paar kleine Gästehäuser haben sich angesiedelt und warten auf Kundschaft.
In der „Auberge Amazigh“ kehren wir auf einen Tee ein, sitzen in der Mittagsonne, sie brennt kräftig vom Himmel, heute erreicht das Thermometer sogar hier oben in den Bergen 23 Grad. Hamid ist umwerfend gastfreundlich und kümmert sich, er spricht ein wenig englisch, so bleiben wir gerne noch zum Essen, es schmeckt phantastisch, ein lohnender Aufenthalt.

Dann fahren wir die selbe Strecke zurück, bis hinunter nach „Tinerhir“, das einzige Camp der Stadt ist derzeit Großbaustelle, also fahren wir noch 20 Kilometer nach Osten, im Camp in „Tizmoutine“ finden wir einen Stellplatz unter Palmen, die Nacht kann kommen. ( N 31° 27´16.6″ W 05° 21´36.5″ )

Tagesetappe:   145 km                    Gesamtstrecke:   7.016 km

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Verfasst von - 31. Januar 2015 in Allgemein

 

Durch die Dades-Schlucht

Das Wetter scheint hier in Marokko so seine eigenen Gesetzmäßigkeiten zu haben.
Nachdem es unten in Zagora bei ca. 700 m ü. NN. nachts schon ziemlich kalt war, in Ouarzazate bei 1.100 m u. NN. dann so richtig a…kalt, hatte ich für die Nacht hier oben bei über 1.600 m ü. NN. schon das Schlimmste befürchtet. Aber, denkste ! … die Nacht ist relativ mild, der Morgen schon früh recht warm, und auch der Tag heute, ich nehme es mal vorweg, war mit bis zu 21 Grad und vollem Sonnenschein auch nicht kühler, als wir die letzten Tage in den niedrigeren Regionen erlebt haben. Nun, uns soll es ganz Recht sein, kann gerne so bleiben.

Schon gegen 10 Uhr ziehen wir los, wir wollen etwa 60 Kilometer die Dades-Schlucht hoch bis hinter „M´semrir“, dann über eine 40 km lange Piste quer rüber bis „Tamtattouchte“ und dann etwa 35 km durch die Todra-Schlucht zurück nach „Tinerhir“, ein langer Tag mit vielen hundert Kurven steht uns bevor.

Unten im Ort, gleich nach der Dades-Brücke geht der Abzweig nach rechts, die Straße ( R 704 ) windet sich dann langsam durch das schmale Tal, hinauf zur Schlucht und weiter in die Berge des Hohen Atlas. Schon bald durchfahren wir die ersten kleinen Orte, – weitere folgen, – unaufhörlich, – unten liegt das fruchtbare Tal, überall grüne Gärten und Felder, anfänglich noch mit einzelnen Dattelpalmen, später dann Apfelplantagen, natürlich auch überall Olivenbäume, bis in Höhen von 2.000 Meter, das ist erstaunlich. Der Fluß führt ganzjährig Wasser, das ist die Basis, – „Wasser ist Leben“ sagt ein arabisches Sprichwort, – auf dem wenigen Schwemmland, das irgendwann von den Bergen heruntergekommen ist, wird fleißig Landwirtschaft betrieben, überall wird bewässert, es wächst und gedeiht offensichtlich hervorragend, die große Menge kleiner Dörfer deutet darauf hin. Nur wenige Meter daneben blanker Fels, die Berge recken sich auf beiden Seiten hoch, kahl, vegetationslos, aber herrlich anzuschauen, bizarre Formen bringen sie hervor, tolle Farben, irgendwann ist Rot die vorherrschende Farbe, – das sieht toll aus, – die Berge, die Erde, die Häuser, alles leuchtet dunkelrot in der Mittagssonne, vor stahlblauem Himmel.
Die alten Kasbahs, die neuen Häuser, alle sind sie neben dem Tal auf und in die Felsen gebaut, der fruchtbare Boden ist viel zu kostbar, um als Bauland vergeudet zu werden.

Dann wird das Tal immer enger, dort in den schmalen Gärten hat der Dezemberregen schwere Schäden angerichtet, Kies und Geröll hat die Flut mitgebracht und über den fruchtbaren Böden abgelagert, oft mehr als einen halben Meter hoch, die Männer der Dörfer sind damit beschäftigt, mit Schaufeln und Schubkarren diese Schicht wieder abzutragen und zurück in den Fluß zu werfen, damit die Aussaat beginnen kann, eine Knochenarbeit.
Kurz danach erreichen wir die Serpentinen, die die eigentliche Dades-Schlucht hochführen, eng geht es zu, zwei mal muß ich den HerrMAN zurücksetzen, um die Kurve zu kriegen. Die Teepause im Lokal am oberen Ausgang haben wir uns redlich verdient.
Wenige Kilometer später folgt die engste Stelle der Schlucht mit einem gewaltigen Felsüberhang, die Stelle ist ein wenig „kribbelig“, aber ganz auf der linken Seite kommen auch wir mit unseren 3,60 m Höhe durch.

Dann weitet sich die Schlucht, wir kommen in die Berge, um die 2.100 Meter zeigt unser Navi, hier oben ist alles kahl und steinig, einen tiefen Canyon hat der Fluß hier in die Berge geschnitten, unser Weg wird nun irgendwie „hochalpin“, die Straße windet sich einen Berg entlang, den wir uns zunächst stirnrunzelnd aus der Ferne, dann nochmal aus der Nähe anschauen und kurz darüber nachdenken, – links mächtige Felsüberhänge, rechts der tiefe Canyon, für einen Moment zweifeln wir wirklich, ob es hier tatsächlich weiter geht. – Doch es geht, wegen der Felsüberhänge muß ich ziemlich weit rechts fahren, dicht über dem Abhang, irgendwie kribbelt es schon ein wenig im großen Zeh, wenn ich dort runterschaue, – Heike sagt schon gleich gar nichts mehr !?

Wir erreichen „M´semrir“, dort fragt man uns nach unserem Ziel und gibt zu bedenken, daß die Berge dort oben verschneit seien, rüber nach „Tamtattouchte“ könnte es aber gehen, -also fahren wir weiter.
Wenige Kilometer später gabelt sich die Straße, rechts beginnt unsere Piste, – das sieht gar nicht gut aus, – die Piste ist nur ein schmaler Feldweg, zudem ziemlich schräg im Hang und führt steil in die Berge hinauf, die Chance, den HerrMAN zu wenden, falls wir umkehren müssten, tendiert gegen Null.
Ein Kleinbusfahrer kommt uns entgegen, ich halte ihn an und frage nach den Gegebenheiten, – er rät uns dringend ab, – der Weg sei zu schmal für uns, – außerdem sei der Paß in 2.800 Meter Höhe zugeschneit. Ok. -danke, – das wars dann mit der heutigen Rundfahrt, wir drehen mal lieber um und fahren die 65 Kilometer wieder so zurück, wie wir gekommen sind.

Nach fast drei Stunden sind wir heil wieder unten in „Boumalne“ und fahren wieder zum Camp von letzter Nacht, dem „Soleil bleu“.
Die Dades-Schlucht ist ein echtes Erlebnis, wilde Natur im Überfluß, ein unbedingtes Muß. – Ein Highlight, – super Tag heute !
Die heute verpasste Todra-Schlucht gehen wir morgen von der Südseite, von Tinerhir aus an, über die neue Asphaltstraße geht das problemlos.

Tagesetappe:   131 km                    Gesamtstrecke:    6.871 km

 
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Verfasst von - 30. Januar 2015 in Allgemein

 

Von Ouarzazate nach Boumalne

Unser Stellplatz in Ouarzazate liegt über 1100 Meter hoch, die Nacht ist entsprechend kalt und es dauert am Morgen etwas, bis die „Betriebstemperatur“ erreicht ist.

Gegen 11 Uhr fahren wir los, erst mal in die Stadt hinein, vorbei an der „Kasbah Taourirt“, dem alten Palast des Paschas von Marrakesch, und Richtung Innenstadt, – in einem kleinen Supermarkt holt Heike ein paar Kleinigkeiten, dann fahren wir auf die N 10, Richtung Osten, das „Dades-Tal“ hinauf, das auch „Straße der Kasbahs“ genannt wird.
Und es macht seinem Namen alle Ehre, gleich hinter der Stadt stehen die ersten großen Lehmburgen, teils Alte, leider meist dem Verfall gewidmet, aber auch hübsch renovierte Festungen, die irgendwelche Investoren zu Hotelanlagen umgebaut und somit für die Nachwelt erhalten haben.

Auf der rechten Seite ist bald der Stausee „Mansour ed Dahbi“ zu sehen, mit seinem versteckt liegenden und hermetisch abgeschirmten Nobelwohnviertel, in dem sich in den zurückliegenden Jahren auch einige internationale Filmgrößen eingekauft hatten, – Ouarzazate ist ja die Filmmetropole Marokkos, große Studios und Gesellschaften haben sich hier angesiedelt, so mancher Klassiker wurde hier in den Studios oder draussen in der Wüste gedreht. Der zugehörige Golfplatz mit Nobelhotel erscheint uns allerdings ziemlich verlassen.

Bald erreichen wir Skoura, eine langgezogene Oasengruppe etwas abseits der Hauptstraße. In und um Skoura gibt es eine große Zahl an Kasbahs, viele schauen mit ihren Wehrtürmen über die Pamen herüber, eine Vielzahl von Werbetafeln hier an der Hauptstraße weist auf Herbergen und Gästehäuser hin.
Es ist schön anzusehen, wie über jeder Stadt, jeder Kasbah und jedem Palmengarten immer wieder die Schneeberge des Hohen Atlas hervorschauen.
In den Dörfern, die nun entlang der Strecke immer häufiger werden, und der wüsten Steppe dazwischen, werden verstärkt Olivenbäume angepflanzt, viele neue Pflanzungen sind zu sehen, Bewässerungsschläuche sind verlegt, in den Dörfern und an den Rändern der Oueds blühen schon die Mandelbäume.

Dann erreichen wir „El Kelaa“. Schon Kilometer vorher bieten viele Geschäfte Rosenöl, Rosenwasser und andere Produkte rund um die Rose an. „El Kelaa“ baut in einem fast 15 Kilometer langen Seitental sage und schreibe 4.200 Kilometer Rosenbüsche an und ist somit das Zentrum des Rosenanbaus in Marokko, – mit jährlichem Rosenfest und Rosenkönigin und allem, was rund um die Rose angeboten werden kann. Aus den Rosen wird überwiegend Öl für die Parfümherstellung gewonnen und weltweit geliefert.
Gerne wären wir in dieses seitliche Rosental hineingefahren, allerdings ist die Blütezeit erst April und Mai, dann zieht der Duft der stark riechenden Damascena-Rosen durch das gesamte Tal, – derzeit sind leider nur grüne Sträucher zu sehen, das ist weniger interessant.
Kurz nach dem Ortsausgang sehen wir auf der linken Seite das Hotel „Ksar Kaissar“, – wirklich einen Fotostop wert, – sehenswert, wie sich diese schöne Anlage vor den mächtigen Schneebergen in die Hänge drückt.

Wenig später erreichen wir das Städtchen „Boumalne“, am Eingang zur Dadesschlucht, unserem Ziel für morgen. Das breite Flußbett des Dades teilt den Ort in zwei Hälften, die Häuser schmiegen sich rechts und links den Hang hoch und stehen auf dem Plateau über dem Tal.
Auch unser Camp „Le Soleil bleu“ liegt oben auf dem Plateau bei über 1.600 Metern und bietet einen tollen Blick über die Stadt und das tief eingeschnittene Tal des Dades. ( N 31° 22´42.3″ W 05° 58´51.9″ )

Tagesetappe:   121 km                    Gesamtstrecke:    6.740 km

 
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Verfasst von - 29. Januar 2015 in Allgemein

 

Von Zagora nach Ouarzazate

Heute setzen wir unsere Rundreise fort, über die N 9 fahren wir durch das Draa-Tal von Zagora nach Ouarzazate, eine der schönsten Strecken in ganz Marokko.

Zunächst kommen wir noch einmal durch Zagora, – in der Stadt ist heute der Teufel los, – es ist Mittwoch und Souk, – Markttag, – viele Menschen sind unterwegs, es herrscht geschäftiges Treiben, die Cafes sind schon früh gut besetzt, – Handkarren, Mopedtaxen und Autos wuseln kreuz und quer durch die Stadt, alle haben irgendetwas heran- oder wegzuschaffen.

Dann verlassen wir die Stadt und fahren Richtung Norden, auch die N 9 wurde in den letzten Jahren erneuert und fährt sich jetzt wunderbar.
Über 100 Kilometer, bis nach Agdz, ziehen sich Straße, Draa-Fluß, Palmengärten und kleine Dörfer immer nebeneinander her, eingefasst von dunkelbraunen Tafelbergen auf beiden Seiten, diese auch hier wieder in ihrem oberen Bereich großflächig mit lila Blumen bewachsen, ein toller Anblick im hellen Sonnenlicht.

Das Draa-Tal ist hier weitläufig, ganze Palmwälder durchziehen das Tal, der Fluß führt diesmal richtig viel Wasser, ein seltener Anblick, die vielen Bewässerungskanäle, die die Felder und Gärten entlang des Tales überziehen, sind überall reichlich mit Wasser gefüllt, in ihnen sahen wir die letzten Jahre immer nur Dreck und Unmengen von Sand, – der Regen vom Dezember war wohl Fluch, aber auch Segen, überall werden die Gärten bestellt, es grünt und wächst, – auch die Palmen, die in den letzten Jahren oft zu viele braune Blätter hatten, manche gar abgestorben sind, sehen kräftig grün aus, offensichtlich erholen sie sich wieder.

In einem kleinen Restaurant auf einem Hügel über dem Tal, in dem wir fast immer einkehren, wenn wir hier durchkommen, sitzen wir lange Zeit, schauen den Bauern unten im Tal zu, wie sie die Felder bestellen, mit Esel und Pflug, von Hand mit Hacken, aber auch schon mit einem Traktor, – Frauen waschen im Fluß die Wäsche.

Auch in den Dörfern weiter im Norden, die Straße führt meist mitten hindurch, können wir das tägliche Leben der Menschen recht gut beobachten, Handwerker stellen Schilfmatten und -körbe her, andere produzieren Hohlblocksteine von Hand, in kleinen Formen, wieder andere machen Lehmziegel, – viele neue Häuser sind in den Dörfern entstanden und entstehen gerade noch, – alte Lehmbauten zerfallen, – schöne alte Kasbahs sind dem Verfall gewidmet, – schade um diese alten Gebäude.

Bald passieren wir Agdz, ein kleines Städtchen mit Läden und Händlern, Restaurants und Teestuben, Werkstätten und einem kleinen Souk, – eine schöne alte Kasbah steht ein wenig abseits der Hauptstraße.

Hier führt die Straße aus dem Draa-Tal heraus und hinauf in die Berge, – sofort ist alles trocken und karg, oft ganz vegetationslos.
Die Ausblicke, als wir über den knapp 1.700 Meter hohen „Tizi-n-Tinififft-Paß“ fahren sind phantastisch, zunächst zurück auf Agdz und das Draa-Tal im Süden mit den weiten Palmwäldern, dann später nach Norden, Richtung Ouarzazate und die schneebedeckten Berge des Hohen Atlas, – dazwischen Serpentinen und ganz bizarre Felsformationen, hinter jeder Kurve gibt es etwas Neues zu bestaunen.

Dann sind wir wieder unten und nähern uns Ouarzazate, wobei unten in der nächsten Zeit wohl nicht mehr unter der 1.000-Meter-Marke sein wird, der vor uns liegende, östliche Teil Marokkos befindet sich überwiegend in höheren Regionen, besteht aus Hochebenen, die zwischen flachen Gebirgszügen eingebettet sind .
In Ouarzazate fahren wir für die kommende Nacht zum Camping „Municipale“, ziemlich stadtnah, sauber und auch sonst ganz in Ordnung. ( N 30° 55´22.3″ W 06° 53´12.3″ )

Tagesetappe:   162 km                    Gesamtstrecke:   6.619 km

 
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Verfasst von - 28. Januar 2015 in Allgemein

 

Zagora

Für heute steht nicht viel auf dem Plan, wir bleiben hier stehen, weil der Platz so angenehm ist, wollen ein wenig ausruhen und mittags mal durch die Stadt bummeln.

Die Sonne braucht heute länger, bis sie uns wärmt, der örtliche „Hausberg“ steht irgendwie im Weg.

Nach dem Frühstück fegt Heike mal wieder ein wenig Staub aus dem Führerhaus, ansonsten gibt es immer wieder was zu erzählen hier am Platz, immer wieder treffen wir nette Leute, jeder hat was zu berichten, zu fragen, so verfliegt die Zeit im Nu.

Aspros macht noch einen langen Spaziergang mit Heike durch die Palmengärten, er muß heute mittag zu Hause bleiben, die Stadt ist zu stressig, zu laut, zu hektisch, außerdem haben die meisten Restaurants ein Problem mit Hunden und wir wollen uns doch irgendwo gemütlich auf einen Tee oder einen kleinen Imbiss niederlassen und „Leute gucken“.
Und so wirds dann auch, wir gehen den gesamten Weg ins Zentrum zu Fuß, auf die andere Seite des Flußes, – auch hier, so hat man uns erzählt, war der Pegelstand Anfang Dezember enorm hoch, man kann es noch an einigen Stellen sehen, die Überfahrt von der einen auf die andere Seite einige Tage wegen Hochwasser nicht möglich, größere Schäden sind jedoch ausgeblieben, – Glück gehabt.

Oben in der Stadt schauen wir durch die Läden, kaufen Kleinigkeiten, setzen uns auf einen Tee, gestern am Platz haben wir „Mariohanna“ (Mario + Anna) kennengelernt, die zufällig dazukommen, so sitzen wir in der Sonne und plauschen angenehm, gehen dann weiter, schauen Leute und Läden, nehmen später einen kleinen Imbiss zu uns und gehen dann zurück. Für den langen Weg hinüber zum Campingplatz nehmen wir ein „Petit Taxi“, das kostet 10 Dirham ( 90 Eurocent ).

Den Rest des Tages verbringen wir mit „Nichtstun“ (naja, die paar Kleinigkeiten halt), auch mal ganz schön, ein wenig rumzulungern, morgen gehts dann wieder weiter.

Tagesetappe:   0 km                     Gesamtstrecke:   6.457 km

 
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Verfasst von - 27. Januar 2015 in Allgemein

 

Von Tinfou nach Zagora

Heute gibt es wieder mal brauchbares Internet, damit war es die letzten paar Tage relativ dünn, es gibt zwar fast überall Verbindungen, manchmal sogar überraschend weit draussen im Outback, aber oft sind sie nicht wirklich brauchbar, weil sie einfach zu langsam sind und noch nicht mal E-Mails reinkommen, von Skype ist dann gar keine Rede. Wir bleiben etwas länger am Hotel stehen und machen mal unsere Telefonate und anderen Erledigungen.

Es ist schon Mittag, als wir losfahren. Vorgenommen haben wir uns nicht wirklich viel, wollen nur bis Zagora rein, also 25 km und dort ein wenig bleiben. Zagora und Umgebung, das ist „unser“ Marokko, dort sind wir nun schon zum achten mal, hier kennen wir uns aus, haben schon viel gesehen und erlebt und wollen so Einiges einmal wiedersehen, das letzte mal waren wir 2009 hier.

Was hat sich dieses Zagora in den Jahren seit unserem ersten Besuch 1993 herausgeputzt, wir sind schon immer, von Besuch zu Besuch überrascht, – angenehm überrascht, welch eine Blüte dieses Städtchen in den Jahren erlebt hat.
Damals, ein verschlafenes „Wüstennest“, das Tor zur Sahara, weil M´hamid bis in die späten 1980er Jahre nicht frei zugänglich war, Führer waren Pflicht, war dies sozusagen „das Ende der Welt“, der Eingang zur Wüste.
Und nun, seit es vor einigen Jahren zur Provinzhauptstadt aufgestiegen ist, hat sich wahnsinnig viel entwickelt, Verwaltungsgebäude wurden gebaut, ganze Stadtviertel wurden hochgezogen, schmucke Häuser haben sich die leitenden Beamten hingestellt, die Plätze, Gehsteige und Straßen sind bestens hergerichtet, neue Geschäfte, Banken, Tankstellen und Werkstätten haben sich gegründet, – und alles ist mit Leben erfüllt.

Wir wechseln wieder mal Geld, tanken, kaufen ein wenig ein und fahren dann noch mal zurück nach Tamgroute. Der Ort ist bekannt für seine Töpfereien und bietet wunderschöne Sachen in einigen Geschäften entlang der Straße an.
Wir finden uns bei „Mamadou“ ein, er hat für das, was wir suchen, die schönsten Sachen in seiner Auslage und so schauen wir lange, stellen Einiges zusammen, was auf unserem Wunschzettel steht, trinken Tee mit ihm und reden über alles Mögliche, auch über Gott und die Welt, – also Allah und die derzeitigen Probleme, die die radikalen Islamisten der Welt bereiten. Auch er verabscheut diese Dinge, kann sie so gar nicht verstehen, so gibt er uns das kund und verspricht uns ungefragt, daß er und die Menschen in Marokko keine Probleme mit „Andersgläubigen“ haben und diese respektieren, wir waren und sind immer herzlich willkommen und er könne sich ein Marokko ohne uns Europäer gar nicht vorstellen. Schön, so etwas zu hören.

Dann fahren wir wieder nach Zagora, der Campingplatz „Oasis Palmier“ in den Palmengärten dicht am Draa-Fluß wird unser Tagesziel. ( N 30° 19´25.9″ W 05° 49´34.8″ )
Das ist mal wirklich ein schöner Platz, angenehm und sauber, halbschattig unter Dattelpalmen gelegen, – ein überaus freundlicher Empfang erwartet uns, direkt neben unserem HerrMAN wird ein Teppich ausgerollt, ein Tisch für uns aufgestellt und zur Begrüßung gleich eine Kanne Tee serviert, das ist doch mal was !

Und hier ist auch wirklich was los, offensichtlich hat es sich rumgesprochen, daß der Stellplatz echt gut ist, es sind fast alle Plätze belegt, auch einige deutsche Wohnmobile stehen hier, sogar einige Kollegen von der „Allrad-Fraktion“ sind mit ihren dicken Brummern eingetroffen, – da gibt es natürlich Einiges anzuschauen, es wird gefachsimpelt, werden Geschichten erzählt und Pläne besprochen, der Nachmittag vergeht wahnsinnig schnell. Den Abend verbringen wir im platzeigenen Restaurant, bei Couscous und Tee.

Tagesetappe:   75 km                   Gesamtstrecke:   6.457 km

 
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Verfasst von - 26. Januar 2015 in Allgemein

 

Von M´hamid nach Tinfou

Schon früh am Morgen ist wieder Leben am Festivalgelände, überall wird aufgeräumt, sogar der Müll auf dem Parkplatz wird eingesammelt und ab 10 Uhr kommen schon wieder die Besucher gefahren, heute ist der letzte Festivaltag.

Wir ziehen gegen 11 Uhr weiter, heute soll die Rallye am Erg Chegaga stattfinden, also rüber nach M´hamid und raus in die Dünenkette, Richtung Erg, nochmal schöne Sandpiste fahren, das macht Spaß. Allerdings ist nirgendwo etwas von der Rallye zu sehen, das verwundert uns schon sehr, zumal hier eigentlich die einzig vernünftige Zufahrt zum Erg Chegaga ist, keine Rallyefahrzeuge, keine Servicefahrzeuge, keine Zuschauer, kein Spektakel, – nichts !
Das ist schon sehr verwunderlich, zumal wir die ersten Fahrzeuge bereits am Freitag in M´hamid und Ouled Driss gesehen haben, auch Serviceteams standen an den Hotels.
Nun, wir fahren noch eine ganze Weile weiter, macht ja Spaß, und Zeit haben wir auch, aber nach knapp einer Stunde geben wir dann doch auf, drehen und fahren zurück, das waren zusammen nochmal fast 25 km Piste, außer uns und einem hiesigen Landrover weit und breit kein Fahrzeug, – naja, macht nichts, war sicher sowieso nichts Großes.

Als wir später durch Ouled Driss kommen, stehen die Servicefahrzeuge noch immer an den Hotels, auch sehen wir einige Rallyefahrzeuge, die irgendwie aufgeregt über die Hauptstraße brettern, an der Toyota-Werkstatt „Dakar“ stehen weitere, in Tagounite an der Tankstelle noch mal welche, keine Ahnung, was das soll und wann die ihre Rallye fahren ?

Wir fahren über die N 9 weiter, in Richtung Zagora, die Sandwüste verliert sich zusehends, steinige Wüste übernimmt das Landschaftsbild, dahinter das dunkelbraune Bergmassiv des Jebal Tadrart, im oberen Bereich wieder massenweise mit diesen schönen lila Blumen bewachsen, wie wir dies schon einige hundert Kilometer weiter im Westen gesehen haben.
Die Straße wird im Bereich hinter M´hamid gerade ausgebaut, ein wenig später hat man noch nicht angefangen, es wird aber allerhöchste Zeit, der asphaltierte Streifen ist sehr schmal, reicht gerade für ein Fahrzeug und ist zudem ziemlich kaputtgefahren, die unasphaltierten Ausweichstreifen rechts und links sind dermaßen ausgefahren und die Kante zum Asphalt verdammt hoch, so daß das erzwungene Ausweichen bei Gegenverkehr jedesmal richtig scheppert, wenns über die Kante rauf oder runter geht.
Doch nach wenigen Kilometern ist der Neubau bereits fertig und die N 9 zieht sich ausreichend breit und in bestem Zustand bis nach Zagora hoch.

Wir allerdings fahren heute nur bis Tinfou, einem kleinen Flecken vor Tamgroute, etwa 25 km vor Zagora, dort wo eine einsame, wirklich hohe Düne für die Touristen „vermarktet“ wird.
Direkt daneben ist das Hotel „Saharasky“ des deutschen Hobbyastronomen Fritz Koring, der dieses schöne Hotel im Kasbahstil 1997 erbaut und auf dem Dach ein Observartorium errichtet hat.
Dort bleiben wir heute stehen, ( N 30° 14´ 14.8″ W 05° 36´29.1″ ) wollen endlich mal ausgiebig Sterne gucken, bei dem klaren Himmel beste Chancen für tiefe Einblicke ins Universum.

Am Abend gibts zunächst ein Menü im Hotelrestaurant, dann gegen 21.45 beginnt Patrick, ein belgischer Astronom mit einer kurzen theoretischen Einführung in die Astronomie, in einem eigens dafür eingerichteten Raum mit Karten und Computeranimation. Dann gehen wir, schön warm eingemümmelt, hoch aufs Dach. Patrick stellt immer wieder irgendwelche großen Teleskope auf interessante Objekte ein, zeigt und erklärt uns diese und dann schauen wir uns diese in riesiger Vergrößerung an, den Mond natürlich vorneweg, bevor er gegen 23.00 Uhr hinter dem Horizont verschwindet, dann den Andromedanebel, verschiedene Sternhaufen, eine Supernova, den Kometen „Lovejoy“ natürlich und den Jupiter, toll anzusehen, beide Ringe sind gut erkennbar, sogar ein Schatten, den ein anderer Stern auf ihn wirft und der weiterwandert, ist ganz deutlich zu sehen. Patrick erklärt uns viel, alles verstehen wir nicht wirklich, aber was wir sehen ist schon tief beeindruckend.

Bis gegen 1 Uhr in der Nacht stehen wir auf dem Dach, bevor uns die bittere Kälte, die wie immer um diese Zeit hier in der Wüste herrscht, ins wärmende Bett vertreibt.

Tagesetappe:   100 km                    Gesamtstrecke:   6.382 km

 
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Verfasst von - 25. Januar 2015 in Allgemein